Es begann mit einem Pionier. Heute sind es über tausend.

Als Julius Rütgers am 11. Juli 1830 geboren wurde, ahnte wohl noch niemand, dass er zu einem der bedeutendsten deutschen Pioniere des Industriezeitalters werden würde. Auf Anregung seines Vaters, der als preußischer Beamter für die rheinische Eisenbahn tätig war, gründete er 1849 ein Unternehmen, das sich die Imprägnierung der hölzernen Eisenbahnschwellen mit Ölen aus Steinkohlenteer zur Aufgabe machte. Und dies tat er so erfolgreich, dass bis zur Jahrhundertwende noch 77 weitere Werke folgen sollten.

Ein Mann macht Geschichte.

Zunächst importierte Julius Rütgers die erforderlichen Öle aus England. Doch die Teeröl-Importe wurden immer kostspieliger, so dass der junge Unternehmer 1860 in Erkner bei Berlin die erste große deutsche Teerdestillation errichtete. Dass es als eine der Wiegen der organischen Chemie auserkoren wurde, verdankt das Örtchen mit damals 591 Einwohnern, 111 Rindern und 61 Wohnhäusern schlicht und einfach einem Brückenbau an Gleis 2 des Bahnhofs, der Rütgers bei seinen Reisen zwischen Berlin und Breslau immer wieder zu ungeplanten Aufenthalten zwang.

Acht weitere Werke gründete Julius Rütgers bis 1898. Und da es in diesem neuen Wirtschaftsbereich keine Facharbeiter gab, war der Autodidakt Bauherr, Baumeister, Maschinenkonstrukteur, Monteur und Betriebsleiter in einer Person. Meist kaufte er ein Grundstück und zeichnete mit seinem Spazierstock die Standorte der Apparate und die Lage der Gleise einfach in den Sand.

Der Siegeszug der Teer-Aromen.

Mit der Erfindung der künstlichen Farbstoffe setzte sich der Siegeszug des Julius Rütgers fort. Für ihre Synthese sind Anilin, Anthracen und Naphthalin nötig – Produkte, die aus Teer gewonnen werden. Rütgers war auch hier ein Mann der ersten Stunde und setzte entscheidende Impulse in der neuen industriellen Aromatenchemie. Die Nachfrage nach RÜTGERS-Produkten wuchs ständig – und damit der Bedarf an Steinkohlenteer, einem Nebenprodukt, das noch Jahrzehnte zuvor in Fässer verladen und ins Meer gekippt worden war. RÜTGERS etablierte sich zeitweise als zweitgrößtes deutsches Chemieunternehmen und trug maßgeblich dazu bei, Deutschland zum bedeutendsten Farbstoffproduzenten der Welt zu machen.

Julius Rütgers, der ebenso als Pionier der gesetzlichen Sozialversicherung, Förderer von Wissenschaft und Forschung, Vorsitzender der chemischen Berufsgenossenschaft und Mitglied des Reichsversicherungsamtes in die Geschichte eingegangen ist, starb am 6. September 1903. Was blieb, ist ein Unternehmen, das sich bis heute von einer Imprägnieranstalt zu einem modernen Industrieunternehmen entwickelt hat. Und der Auftrag für jeden Mitarbeiter bei RÜTGERS, es in seinem Sinne weiterzuführen.

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